
Ich geh nie unvorbereitet in ein Meeting. Und deshalb hatte ich auch diesmal alle Unterlagen vor mir liegen. Für den Verein, für den ich ehrenamtlich arbeite, hatte ich die komplette Adventskalender-Kampagne ausgearbeitet: Konzept, Ablaufliste, ein sauber strukturiertes Dokument, das längst beim Team lag. Im großen Teammeeting sollte ich es nur noch vorstellen. Eigentlich hätte ich bloß ablesen müssen. Ich machte den Mund auf, wollte anfangen, und herauskam: „Hxxefafaurgs.“ Tja, Blackout beim Präsentieren eben… Peinlich..
Ich kann reden. Nur nicht über meine Arbeit.
Dabei bin ich im Gespräch schlagfertig, und ich würde behaupten, ich bin nicht auf den Kopf gefallen. Aber sobald jemand erwartet, dass ich etwas vorstelle, das ich selbst gemacht habe, ist mein Kopf schlagartig leer. In diesem Artikel erzähle ich dir, was da passiert, warum ich lange darüber geschwiegen habe und warum ich genau deshalb so arbeite, wie ich arbeite.
Sobald jemand von mir erwartet, dass ich etwas vorstelle, das ich selbst gemacht habe, verliere ich spontan die Fähigkeit, sinnvolle Sätze zu bilden. Und das schlagartig. Was dann aus meinem Mund kommt, wirkt, als hätte ich die Intelligenz eines Stuhls. Ich nenne es gerne “Wortkotze”.
Das Verrückte daran: Fünf Minuten vorher, im lockeren Gespräch, war ich noch witzig und klar. Und fünf Minuten danach fallen mir alle Sätze ein, die ich hätte sagen wollen.
Ich spreche darüber nicht. Nicht mit Kolleginnen, nicht mit Vorgesetzten und seit ich selbstständig bin auch nicht mit Kundinnen. Nun gut, es ist an der Zeit. Ich nehms einfach hin, dass alle denken: “Ich, die süße, die ist halt schüchtern und hat Lampenfieber, daran muss sie arbeiten.”
Warum ich dachte, das sei unprofessionell
Das erste Mal aufgefallen, ist das in der Schule. Ich wusste die Antwort, hab’ mich gemeldet und just in dem Moment in dem ich Anfange wollte zu sprechen, alles weg. Mein Englischlehrer hatte dafür einen Standardsatz: „Ilka! Die großen Buchstaben zuerst!“ Die Klasse lachte, und ich lernte: Wenn mir die Worte wegrutschen, ist das peinlich, also halte ich lieber den Mund.
Diese Lektion habe ich mitgenommen, ich wurde stiller. Ich habe mich zunehmend hinter anderen (gewandteren Rednern) versteckt und lieber mal die Reden lassen. Hey, nicht jeder ist zum Leithammel geboren! Mit zunehmendem Alter wurde das Besser, ich musste ja auch irgendwie meine Kitagruppe leiten und Elterngespräche führen, aber ganz weg gings nie. Und das Damoklesschwert mit: “Na ja, die ist halt n bisschen dumm…” schwebt immer noch über meinem Haupt. Jetzt, als Selbstständige, ist hinter anderen Verstecken tatsächlich nicht mehr möglich. Denn jetzt steh’ ich ja alleine da. Und ich muss in klaren Sätzen erklären können: Was ich mache, für wen und was daran so toll ist. Im Netzwerktreffen, im Kennenlerngespräch, im Reel. Und wer Launches begleitet, sollte doch erst recht wissen, wie man sich selbst verkauft. Genau deshalb fühlte es sich an wie ein Geständnis: Ich schreibe Verkaufstexte für andere, aber wenn ich meine eigene Arbeit mündlich vorstellen soll, stottere ich mich durch.
Ich hatte Angst, dass mir niemand mehr zutraut, gute Texte zu schreiben, wenn ich beim Präsentieren so untergehe. Dazu kommt: Gerade Frauen fällt es oft schwer, über die eigenen Erfolge zu sprechen, und sie unterschätzen den Wert ihrer Arbeit. Vielleicht kennst du das.
Was in meinem Kopf passiert, wenn ich performen soll
Lange dachte ich, das beweise, dass ich eben doch nicht so klug bin. Heute weiß ich: Das Phänomen hat einen Namen. In der Psychologie heißt es Choking under Pressure. Menschen bleiben in Situationen mit hohem Druck unter dem, was sie eigentlich können. Ohne diesen Druck würden sie ihre volle Leistung zeigen.
Zwei Dinge erklären, warum es gerade mich in diesen Momenten erwischt. Erstens: Die Sorge über den Druck belegt Platz im Arbeitsgedächtnis, genau dort, wo ich eigentlich meine Sätze baue. Zweitens: Unter Druck wandert die Aufmerksamkeit nach innen. Statt über mein Thema nachzudenken, beobachte ich mich selbst beim Reden.
Im Teammeeting war das genau so. Das Dokument lag vor mir, das Wissen war da, jeder Satz stand schon auf dem Papier. Aber mein Kopf war damit beschäftigt, mich selbst zu beobachten, und für das Ablesen blieb kein Platz mehr. Und das passt zu meinen Auslösern: Bei einem Pep Talk oder einer Präsentation meiner eigenen Arbeit geht es gefühlt nicht um die Sache, sondern um mich.
Übrigens bin ich damit nicht alleine. Auch im Berufsalltag verlieren viele Menschen vor wichtigen Kund:innen oder Vorgesetzten plötzlich die Stimme oder die Fähigkeit, klar zu denken. Hast du schon mal was von dem “Yapping-Reels” Trend gehört, der gerade so auf Social-Media gehyped wird? Jo, wenn dir das schwerfällt, dann weißt du jetzt auch warum. Das fällt in die gleiche Sparte.
Was sich geändert hat, seit ich es ausspreche
Ich habe aufgehört, mich für etwas zu schämen, das nichts mit meiner Intelligenz zu tun hat. Und ich habe meine Arbeit um das herum gebaut, was ich wirklich gut kann: schreiben.
- Mein Blog ist meine Präsentation. Hier stelle ich meine Arbeit vor, ohne dass mich jemand erwartungsvoll anschaut. Ich kann nachdenken, umformulieren, darüber schlafen.
- Ich baue anderen die Bühne. Als Launch-Begleiterin schreibe ich Landingpage, E-Mails und Content und sorge dafür, dass bis zum Webinarstart oder technisch alles läuft. Im Rampenlicht steht meine Kundin, nicht ich. Genau so soll es sein.
- Wenn wir uns zum ersten Mal besprechen, sage ich dir das ganz offen, und gebe dir die Möglichkeit schriftlich alles nochmal als zusammenfassendes Protokoll von mir zu bekommen.
Was das für dich heißt
Du präsentierst, ich kümmere mich um den Rest. Und du musst nicht täglich in die Kamera sprechen, um sichtbar zu sein. Ich kann dir zwar einen Videosalesletter im Yapping Stil schreiben, aber zwingend notwendig ist das nicht. Deine Botschaft kann genauso gut über Carousel-Posts oder Ads wirken. Entscheidend ist nicht, dass du dauernd online bist, sondern dass die richtigen Menschen verstehen, was du anbietest und warum es für sie passt.
Du hast ein Angebot, das Menschen wirklich weiterbringt, ein Online-Seminar oder ein Gruppenprogramm mit festem Standort, und möchtest es endlich sichtbar machen, ohne den ganzen Technik-Kladderadatsch und das Rumgetippe?
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