Meine Flucht aus dem Wald, an den Schreibtisch

„Du bist doch Pädagogin mit Leib und Seele, ich kann mir gar nicht vorstellen, dich als was anderes zu sehen.“ Und ich so: „Hmmm…“ Diese Aussage kam aus meinem engsten Freundeskreis. 90 % meiner Freunde sind Pädagogen. Wir haben gemeinsam die Fachakademie für Sozialpädagogik in Aschaffenburg überstanden, unsere Freizeit geteilt, sind gemeinsam gereist und haben den ein oder anderen Schicksalsschlag gewuppt. Wir sind gleichzeitig in den Erzieherberuf gestartet, haben zeitweise sogar in denselben Kindergärten gearbeitet. 10 Jahre lang. Die Aussage trifft also definitiv zu: Ich arbeite nicht als Erzieherin, ICH BIN ERZIEHERIN.

Zumindest war ich das. Denn im Dezember 2025 kündigte mir mein Arbeitgeber meine eigentlich „unkündbare“ Position als Gruppenleitung unserer hiesigen Naturgruppe.

Diesen Blogartikel schreibe ich, weil ich gerade dabei bin, ein sehr bedeutendes Kapitel in meinem Leben abzuschließen. Ich möchte meine Geschichte teilen und andere ermutigen, ein lautes „Ja, ich wähle mich!“ in die Welt herauszurufen. Auch wenn das Umfeld zuerst nicht so wirklich versteht, was das alles soll.

Wie es dazu kam und warum ich mich dazu entschlossen habe, aus der Kita zu flüchten um mich hinter dem Schreibtisch zu verstecken, das liest du in diesem Blogartikel.

Der Tiefpunkt: “One Day It’s Fine, And Next It’s Black”

Ja, ich hab’ die Arbeit mit den Kindern geliebt. Und ja, ich war auch echt gut in dem, was ich tat. Aber im September 25 ist mein Körper halt einfach mal komplett eskaliert. Dabei wusste ich schon während meiner Weiterbildung zur Fachkraft für Naturpädagogik, dass ich eine Autoimmunerkrankung namens rheumatoide Arthritis habe. Am Anfang waren die Symptome aber noch nicht so schlimm. Ein Tag ein Ziepen hier und da, dann ein bisschen Fieber und am Nächsten wieder alles tutti und ich war wieder fit. Und außerdem: Rheuma haben doch nur alte Menschen, oder? (Spoiler: stimmt nicht)

Was ich damals nämlich nicht bedacht habe: Rheumatoide Arthritis, gekoppelt mit Hochsensibilität und ADHS, macht mit der Zeit ganz schön Faxen. Und dass sich diese Kombination nach acht Stunden im Wald, bei drei Grad im Regen, umgeben von miesgelaunten Drei- bis Sechsjährigen, nicht gerade positiv auf den Verlauf der Krankheit und das Privatleben auswirkt, muss ich wohl nicht extra erwähnen. Und mit der Zeit wurden die beschwerdefreien Abschnitte immer kürzer und die Rheumaschübe heftiger. Ich konnte das Ganze fast 10 Jahre lang mehr oder weniger ignorieren, bis zu dem Zeitpunkt, an dem es eben nicht mehr ging.

Die Frage “Should I Stay or Should I Go..!”

Der Zeitpunkt kam im Winter 2024/25. Von November bis März hatte ich keinen Monat, in dem ich nicht mindestens 10 Tage „krank“ zu Hause geblieben bin. Zum Teil, weil mein Körper wirklich nicht wollte. Zum Teil aber auch, weil meine zwei Kids nach Corona einen ziemlich holprigen Start ins Erwachsensein hatten und meine Aufmerksamkeit dort gebraucht wurde. Nicht bei der Betreuung fremder Kinder. (Aber das ist nochmal ein anderes Thema.)

Endprodukt der ganzen Sache: ein Arbeitgeber, der meinen Zustand erst mit “Hach, schwierig, dass du schon wieder ausfällst” und irgendwann mit „Sei mir nicht böse, aber du bist wirtschaftlich nicht tragbar“ beschrieb. Ich wurde vor die Wahl gestellt: entweder als Springerin zwischen allen Gruppen oder mir etwas anderes suchen.

2 Szenarien: “If I Go It Would Be Trouble, But If I Stay It Would Be Double”

Ich hatte die freie Wahl (keiner zwang mich zu gehen..offiziell). Inoffiziell war es eher ein Ultimatum in Richtung: Wähle Pest, oder Cholera.

Szenario 1: Springerin. Als Springerin hätte ich keine feste Gruppe mehr, meine erlernten Abläufe würden also komplett auf den Kopf gestellt werden. Plus: 80 neue kleine Menschen, an die ich mich gewöhnen müsste, plus deren Eltern, die alle erwarten, dass ich natürlich jedes Kind und jedes individuelle Schicksal kenne und souverän darauf eingehen kann. (Spoiler, kann ich nicht)

Szenario 2: Gehen. Wenn ich ginge, wäre ich wieder “die Neue” in einem bestehenden Team. Alles anders: neues pädagogisches Konzept, andere Arbeitsweise, neue Namen lernen. Fragen stellen müssen wie: “Muss dieses Kind eine Matschhose anziehen?” “Spülen die Kinder ihr Geschirr selbst?” “Gibts Wasser oder Tee?” Selbstverständlich würde erwartet werden, dass ich mir das alles merken kann. (Spoiler, kann ich nicht)

Für einen Körper, der auf Stress reagiert wie eine Diva auf Zugluft, wären beide Szenarien praktisch eine Einladung zur nächsten Eskalation.

Ich habe hin und her überlegt, abgewogen, mit Freundinnen telefoniert, nachts wachgelegen. Am Ende habe ich mich für die dritte Option entschieden.

Die Entscheidung: “If you don’t want me, set me free”

Aus praktischen Gründen und wegen meines pädagogisch-psychologischen Fachabis. Das war damals mein “Warum”. Deshalb habe ich mich für eine zweite Ausbildung entschieden: Erzieherin.

Frisch geschieden, mit zwei kleinen Kindern, war das von Anfang an ein gewagtes Unterfangen und jeder Tag eine ziemliche Herausforderung. Trotzdem: Über mehrere Ortswechsel hinweg habe ich mich in diesem Beruf sehr wohlgefühlt und mich später sogar auf Naturpädagogik spezialisiert. Die Waldgruppe wurde zu meinem Ding. Ich habe dort Kindern geholfen, sich in der Natur zu regulieren. Fun Fact: Ich habe dabei 5 Jahre lang nicht bemerkt, dass ich selbst genau das dringend gebraucht hätte.

Long story short: Statt mich zwischen den zwei Szenarien zu entscheiden, habe ich mich für mich entschieden. Für meine Gesundheit, die Freiheit und meine Familie.

Mein Abschiedsbrief an die Kita: Nein, es ist mir nicht leichtgefallen. Und nein, ich hatte nicht wirklich einen Plan, wie es weitergehen soll.

Das Dazwischen: “Don’t You Know Which Clothes Even Fit Me?”

So, und jetzt? Arbeitslos… ja, richtig, aber ich bin nicht ganz ohne Beschäftigung. Ich schreibe. Schreiben ist für mich auf erster Ebene Entspannung, auf zweiter ein Mittel, um mich auszudrücken, und auf dritter ein Werkzeug zur Selbstreflexion. Und nachdem ich Ende 2024 über die “Make Words To Gold” Akademie von Diane Thümmes gestolpert bin, auch mein kleines Copywriting-Sidehustle-Business. “Fairgetextet”.

Ich schreibe WerbeTexte für den Launch: Speziell E‑Mailsequenzen, Landingpagetexte, Social-Media Postings.

So bin ich nach der „Make Words To Gold Akademie gestartet.

Und das ist der Stand jetzt, also zum Zeitpunkt, an dem ich diesen Blogartikel schreibe.

Und ich habe ein Ehrenamt angetreten. Ich bin seit April 2025 fester Bestandteil des Social-Media-Teams von Under A Rest e. V. Under a Rest e.V. macht die schwere neuroimmunologische Multisystemerkrankung ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue-Syndrom) in der Öffentlichkeit, im Sport und in den Medien sichtbar. Wir wollen mit unserer Arbeit das Thema „Raus aus der Isolation“ holen und dorthin bringen, wo Menschen zusammenkommen.

Zu dem Thema gibt es auch einen Podcast.

Und ich mache die Texte für die Instagram-Carousels.

https://www.instagram.com/under_a_rest.me

Wenn du mehr über die Krankheit erfahren, oder dich selbst gerne engagieren möchtest, dann findest du hier alle Infos:

Und ich plane eine Umschulung. Mein Bescheid für die Leistung zur Teilhabe am Arbeitsleben ist bereits bewilligt, allerdings warte ich seit Monaten auf einen Beratungstermin. Wo genau es hingeht, das entscheidet sich nach der Beratung.

Das Jetzt: “Exactly Whom I’m Supposed To Be”

Hätte ich nicht mein kleines Copywriting-Sidehustle-Business, wäre ich wahrscheinlich vor Langeweile durchgedreht. Für mich ist allerdings klar. Es wird vorerst Sidehustle bleiben. Ich brauche gerade die finanzielle Sicherheit einer Festanstellung. (Weil: Die Aussicht auf betriebliche Altersvorsorge und bezahlte Gesundheitsanwendungen ist schon schick, besonders wenn man wie ich chronisch krank ist). Ja, ich bin immer noch arbeitssuchend gemeldet, lebe hauptsächlich von meinem ALG 1 und warte, bis die Liste meines Beraters (oder Beraterin, keine Ahnung?) der Rentenversicherung endlich an meinen Fall vorrückt.

Wenn ich gefragt werde: „Und was machst du jetzt? Wie geht’s dir?” antworte ich immer ganz schlicht:

Ich bin pleite. Aber glücklich.“

Alles fühlt sich gerade total gut an. Ich bin zwar noch lange nicht angekommen, aber ich bin gestartet. Und die Richtung stimmt.

About: "Du sprichst, ich schreibe, sie buchen dich." Das ist meine Philosophie, mit der ich mein Business als naturverwurzelte Copywriterin aufbaue. Zwischen fünf Jahren als Augenoptikerin und zwölf Jahren als Erzieherin und Waldpädagogin hat sich meine Liebe zur Sprache gebildet – ohne ein einziges Semester Linguistik, dafür mit tausenden echten Gesprächen unter freiem Himmel. Heute erstelle ich für Beratende, Coaches und Kreative, die wissen, dass die Natur das beste Heilmittel ist, Launch-Texte auf Grundlage ihrer Marke, ihres Blogs oder Podcasts. Schreiben ist für mich Handwerk, Haltung und persönliches Werkzeug zur Selbstregulierung. Und erst danach mein Business. Ich bin das beste Beispiel dafür, dass man mit echter Stimme, Mut und Verletzlichkeit sichtbar werden kann, auch ohne studierte Sprachwissenschaftlerin zu sein.

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